zapato42-Weihnachtsgeschichte

23.12.2019

Weiße Weihnacht oder Zappo auf dem Heimweg

Die zapato42-Weihnachtsgeschichte

Zappenduster war’s und eiskalt. Er schlug sich durch das gefrorene Gestrüpp irgendwo in der Nähe von Zapfendorf. Dass es in den Flussauen aber auch immer so feuchtkalt sein musste! Das war hier am Obermain übrigens nicht anders als am Río Zapardiel, wohin es ihn mit seinem Campingbus im Sommer verschlagen hatte. Er freute sich jetzt schon, dass er rechtzeitig zum Zapust¬-Umzug wieder zurück im Spreewald sein würde. Wenn er an das dreitägige Fest dachte, empfand er fast Mitleid mit den jungen Menschen in den Städten. Sie mussten zum Tanzen in irgendwelche dunklen und ohrenbetäubenden Kaschemmen gehen, die sie selbst abfällig als Zappelschuppen bezeichneten. Etwas anderes als zappeln und am Zapfhahn hängen konnte man dort auch wirklich nicht. Nur dass die DJs gelegentlich die guten, alten Zappa-Scheiben auflegten statt der sorbischen Folklore, das machte ihn doch manchmal etwas neidisch.
Jetzt hatte er allerdings ein anderes Problem. Sein alter T4 war liegengeblieben. Vermutlich lag es an der Zapfendüse, die mal wieder verrußt war. Vielleicht war aber auch etwas von dem Zaponlack in den Motorraum geraten, als er neulich die Zierleisten damit eingesprüht hatte. Als der Wagen vorhin anfing zu stottern, hatte er natürlich zunächst vermutet, der Tank sei leer. Schließlich funktionierte schon seit zwei Jahren die Tankanzeige nicht mehr, so dass er mehr als einmal zu Fuß mit seinem Ersatzkanister zur Zapfsäule gelaufen war. Das hatte er auch heute getan. Leider ohne Erfolg: Der Wagen sprang auch mit frischem Diesel im Tank nicht mehr an. Und dafür war er extra bis zur Tankstelle und wieder zurück gelaufen! Denn natürlich war sein rollendes Zuhause nicht in der Stadt liegengeblieben, sondern eben hier in Franken, auf einer kleinen Landstraße weitab von Zapfendorf.
Klar wäre er heute Abend lieber mit den anderen etwas essen gegangen und hätte sich ein kühles Helles zapfen lassen. Auch wenn er nicht mehr, so wie früher oft, mit seinen alten Kumpels am 23. Dezember bis zum Zapfenstreich am Tresen stehen würde, war er doch noch immer zu zappelig, um den ganzen Abend alleine zu verbringen. Aber an Ausgehen war heute nicht zu denken. Es war zu kalt, und das nächste Dorf war zu weit weg, deshalb kehrte er um. Er würde es sich in seinem Bus auf dem Sofa aus hellbraunem Zappeleder gemütlich machen und sich durch das Fernsehprogramm zappen. Die aus Spanien mitgebrachten Zapfen hatten sich inzwischen geöffnet, er konnte also sogar ein paar Pinienkerne dabei knabbern. Vielleicht las er auch endlich diesen „Sommerliebe“-Roman von Gabriela Zapolska zu Ende, eine Empfehlung seiner Mitbewohnerin. Warum sie ausgerechnet einem ausgewiesenen Zappelphilipp wie ihm so ein Buch empfohlen hatte, das musste er allerdings noch ergründen. Sie hatte wohl neulich eine Verfilmung mit Manfred Zapatka gesehen und war deshalb auf den Geschmack gekommen.
Der Roman langweilte ihn, und die Dokumentation auf Arte über 25 Jahre Zapatista-Aufstand war auch nicht nach seinem Geschmack. Auf 3Sat lief ein Film über Zappen, Galapagos-Finken, Zapataammern und irgendeinen anderen seltenen Vogel, der unterhalb des Zapportgletschers nistete. Was konnte man schon vom öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm an einem Montagabend erwarten? Zappzarapp war er eingeschlafen. In seinem Traum flogen exotische Vögel über den Krater des Zapaleri. Im Morgengrauen erwachte er von einem unregelmäßigen Knacken und Klopfen. Er stand mit seinem T4 am Rande eines Kiefernwäldchens, und im Wind fielen die Zapfen vom Baum und auf das Dach seines Campingbusses. Als er aus dem Fenster schaute, wusste er: diese Weihnacht wurde weiß.

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